Smartphone mit Linux-OS Maemo 5
Nokia N900

Das Betriebssystem Maemo hat Nokia bislang auf nur auf seinen Internet-Tabletts eingesetzt. Nun erscheint es auch auf dem Smartphone N900. Aus technischer Sicht hat sich Nokia mächtig ins Zeug gelegt, denn bei diesem Smartphone zeigt der ehemalige finnische Stiefelhersteller der Roten Armee, was technisch machbar ist. Doch für den Erfolg sind auch ergonomische Gesichtspunkte wie die Bedienung und Usability wichtig.
Die Oberfläche zeigt sich nach dem Einschalten recht farbenfroh. Hier sind keine weiteren Knöpfe vorhanden, um von der Bedienung über das Touchscreen abzulenken. Stattdessen findet man an den Seitenteilen kleine Bedienelemente, beispielsweise die Wipptaste für die Lautstärke, den Kameraauslöser, den Einschalter oder den Schieber für die Eingabesperre.
Dreizeilig hat der Hersteller die ausziehbare Tastatur auf dem 182-Gramm-Ziegel gehalten, wobei die Leertaste ein wenig nach rechts gerutscht ist. Ruft man Webseiten auf, fällt positiv auf, dass im Gegensatz zum iPhone und Android Flash-Webseiten wie Youtube problemlos dargestellt werden. Gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Zoomfunktion, um Textinhalte zu vergrößern. Hier muss man mit dem Finger eine Kringelbewegung auf dem Touchscreen vollziehen - nicht gerade intuitiv, wie wir meinen.
Das Menüsymbol oben links ruft das Hauptmenü auf, dessen Optik stark an das Vorgänger-Betriebssystem Symbian erinnert. Anscheinend legt Nokia hier Wert darauf, die Umsteiger nicht zu überfordern. Alle geöffneten Anwendungen zeigt das Handy als kleine Icons ein, beim ersten Herumspielen unserer Redakteure dauerte es jedoch nicht lange, bis wir eine seltsame Fehlermeldung über zu "wenig Arbeitsspeicher" erhielten. Andererseits vermissten wir passende Buttons, um Anwendungen zu schließen - denkbar via ein klassisches [x]-Icon. Mangels Alternativen klickt man auf den unscharfen Hintergrundrand. Stategisch folgt Nokia der Vorgabe Googles, die Navigation kostenlos anzubieten. Ausgleichen will dies der Hersteller über standortbezogene Werbedienstleistungen.
Telefonieren kann dieses Handy auch. Dabei gefiel uns, dass Nokia die Mobilfunk-Funktionalität mit SIM-Karte nahezu auf die gleiche Stufe mit einem VoIP oder SIP stellt. Kommen wir zu den Kamerafunktionen. Zur Aufnahme von Fotos und Videos hat Nokia dem N900 einen 5-Megapixel-Sensor samt Blitz spendiert, dessen Linse durch einen Schieber vor Staub geschützt ist. Ohne Miniblitz stellen wir jedoch recht starkes Bildrauschen bei Raumaufnahmen fest. Bei normalen Lichtverhältnissen sind die Fotos farbenfroh mit gutem Kontrast. Problematisch entpuppte sich die Zweitkamera auf der Displayseite, die laut technischen Daten für Videokonferenzen eingesetzt werden kann. Unseren Testredakteuren ist es nicht gelungen, diese für Skype und Co. in Betrieb zu nehmen. Vielleicht bedarf es einem Firmware- oder Software-Update.
Es gefällt, dass Nokias N900 verfügbare Gratis-WLAN-Netzwerke gegenüber kostenpflichtigen Mobilfunknetzen präferiert. Übersichtlich ist die Darstellung von Emails über POP3- und IMAP4-Benutzerkonten. Will man jedoch Anhänge aus Word (doc), Excel (xls), Powerpoint (ppt) oder PDFs öffnen, so soll man erst eine App für 20 Dollar installieren, die 30 Tage kostenlos ist. Andererseits gibt es diese Funktionalität beim Google Android kostenlos.
In punkto Video- und Audio-Codecs zeigt sich Nokia auf neuestem Stand. Mit MP3, AAC, H.264, MPEG-4, DivX und WMV hat das Gerät keine Probleme, auch ältere Codecs meistert das N900 mit links - abgesehen von einigen Skalierungsproblemen. Lediglich Ogg Vorbis und FLV haben wir auf dem 3,5-Zoll-Display nicht zum Laufen gebracht, wohlgemerkt der Tatsache, dass unlogischerweise Flash-Videos funktionieren.
Nun muss Nokia noch für viele Applikationen sorgen, um zu iPhone- und Android-Handys aufzuschließen. Mit dem Open-Source-Konzept ist der Hersteller auf dem richtigen Weg, zumal sich theoretisch Linux-Apps zwischen Apples iPhone, Googles Android und Debian-Abkömmlingen relativ leicht portieren lassen. Doch die Konkurrenz der iPhones und Android-Handys legt die Messlatte mit fertigen, verfügbaren Konzepten sehr hoch.
| Testurteil Nokia N900 | Note | ||
|---|---|---|---|
| Üppig ausgestattetes Allround-Handy mit kostenloser Ovi-Maps-Navigation und umfangreichen Ausstattungsmerkmalen, bei dem der Hersteller an den Benutzerfreundlichkeit noch feilen sollte. Preisbereich: 520 - 600 € | Bewertung der Redaktion: 7 von 10 Punkten |
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| Was uns gefällt | Was uns nicht gefällt | ||
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Alle Produktbilder
- In den Kontakten lassen sich nicht nur die Telefonnummern ablegen, sondern auch Emailadresse, Anschrift oder Messenger-Nummern
- Mit dem N900 kann man sogar telefonieren
- Ausziehbare Tastatur mit nach rechts versetzter Leertaste
- Übersicht der installierten Applikationen
- Aufruf einer Website mit Flash-Inhalten
- Chat mit einem Bekannten
- Wiedergabe von Videos
- Nicht nur private MP3-Sammlungen haben auf dem Gerät Platz sondern auch gekaufte Songs
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Ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, dass Nokia hier mehr PC-Funktionalität eingebaut als sich dem Thema Mobilfunk-Smartphone gewidmet hat. Ich will das N900 ja nicht kritisieren, schließlich kann es ja ne Menge - doch vielleicht bedarf es eines zweiten Versuchs, den großen Wurf zu landen.
Habe ich das richtig verstanden, dass das N900 zwar UKW ans Autoradio sendet (Wiedergabe von Audio) aber selbst nicht als UKW-Empfänger zu gebrauchen ist?
Dem fehlenden MMS trauer ich keine Träne nach - das braucht sowieso keiner. Kostenloses GPS-Navi finde ich hingegen geil