Vorherige Seite

Kaum noch Platz

Mehr als 90% aller IP-Adressen weltweit vergeben

IP-Adressen sind die Basis für die Kommunikation im Internet, vergleichbar mit Postleitzahlen für Städte. Doch die gehen langsam aus. Einen Plan B gibt es schon länger, doch wurde er kaum beachtet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 hatte man ein ähnliches Problem: Das System von vierstelligen Postleitzahlen im Osten und Westen Deutschlands ließ sich nicht erweitern, weil es auf beiden Seiten nahezu aufgebraucht war. Kurz darauf wurden in Gesamtdeutschland die Postleitzahlen fünfstellig.

Ein solcher Wechsel steht bald dem Internet bevor. Die weltweite Kommunikation durch Email und Webseiten basiert letztendlich auch auf speziellen "Postleitzahlen", die IP-Adressen genannt werden. Ein Beispiel: Geben Sie in Ihren Browser den Namen unserer Webseite tavweb.com ein, dann wird dieser Aufruf durch einen "Postleitzahl-Übersetzer" in die eigentliche IP-Adresse übersetzt, die momentan 87.106.114.124 lautet. Die Übersetzung bzw. Namensauflösung wird vom Domain Name Service (DNS) ausgeführt.

Zur Zeit der Gründung des Internets hätte es kaum einer für möglich gehalten, dass der Vorrat an IP-Adressen jemals ausgehen könnte, nahm man doch in der Vergangenheit an, die Nutzung würde sich auf die Militärs und die Universitäten beschränken. Die Number Resource Organization (NRO), Koordinierungsstelle der fünf regionalen Internet Registries (RIRs), hat nun bekannt gegeben, dass mehr als 90% des IPv4-Adressvorrats aufgebraucht sind. "Die aktuelle Schätzung ist, dass ... der Vorrat 2012 ausgehen wird."

Das Problem ist schon länger bekannt, deshalb hat man bereits einen Nachfolger entwickelt. Die NRO beklagt jedoch, dass leider zu wenig für die Umstellung getan wurde und jetzt großer Handlungsbedarf besteht. Die Lösung des Problems ist relativ einfach, wie das Beispiel unten zeigt.

Aktuell benutzen fast alle noch IP-Adressen des IPv4-Standards. IPv4 basiert auf 32-Bit-Adressen, daher sind theoretisch 4.294.967.296 eindeutige Adressen möglich. In der Praxis sind es deutlich weniger, weil bestimmte Adressbereiche reserviert und in Klassen aufgeteilt sind. Das typische Format einer IPv4-Adresse sieht beispielsweise so aus:

127.255.255.255 (nur Dezimalziffern von 0 bis 9)

Das Nachfolgeformat ist das Internet Protocol Version 6 (IPv6), dessen Adressraum 128 Bit weit ist. Damit sind 340 Sextillionen Adressen möglich, was eindeutig als ausreichend betrachtet wird. Das Format einer IPv6-Adresse wird nachfolgend dargestellt:

2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344 (Hexadezimalziffern von 0 bis f)

Die Zahlen und Buchstaben werden bei IPv6 mit Doppelpunkten in hexadezimalen Viererblöcken separiert, bei IPv4 erfolgt die Trennung durch den Punkt mit dezimalen Dreierblöcken. Seitens der Betriebssysteme auf Computern ist die Umstellung bereits fertig, aber gar nicht mal so wichtig. Nun müssen nur noch alle Internet Service Providers (ISPs) nachziehen. Lustig wird es für den Bestand an Routern.

Von Peter Meier, aktualisiert am: 2010-01-23T22:57:59+01:00
Vorherige Seite

Kommentare

6 Meinungen im Forum Kommentar hinzufügen
Nuxer

Ohne zu wissen, wie Dein Router nach außen kommuniziert (denn ich kenne Baujahr und Modellbezeichnung nicht) - diese Angelegenheit ist wirklich heikel.

Die gute Nachricht zuerst:
Private und Firmennetzwerke, die hinter einem Router hängen, dürfen auch nach 2012 wenig Probleme haben, denn die können weiterhin mit altem IPv4 untereinander über die Switches sprechen. Der Router übersetzt ja nur den Adressbereich vor außen in den Adressbereich von innen. Dabei ist natürlich eine Übersetzung von IPv6 außen --> IPv4 innen möglich.

Die schlechte Nachricht am Schluss:
Wenn der Router aufgrund alter Bauweise nicht mit IPv6 klarkommt, dann ist er auch nicht in der Lage, alle neuen Domains im "IPv6 only Modus" aufzulösen sondern wird Dir nur die alten Domains mit IPv4 liefern. Bei den neuen wirst Du die Webseiten nicht empfangen können (Emails auch nicht).
Immerhin kosten die Router nicht viel. Mit weniger als 100 Euro bist Du bei einem Austausch dabei. Die ganze Technik hinter dem Router, beispielsweise die Switches oder Hubs, dürfen ja IPv4 (alt) bleiben.

Bockwurst16

Ich habe noch einen alten Router von Arcor (jetzt Vodafone). Muss ich den dann wegschmeißen, weil der kann m.E. noch kein IPv6?

Peter Meier

Wenn Du dann einen neuen Domain-Namen wie z.B. www.schnulli.de bei einem ISP beantragst, dann bekommst Du lediglich eine IPv6-Adresse für www.schnulli.de zugewiesen, aber keine IPv4 mehr. Alle neuen Domains dürfen dann nur noch eingleisig mit IPv6 fahren, denn IPv4 ist dann voll.

Übrigens, was ich vorhin vergessen hatte - rein technisch läuft das so ab:

In der DNS-Datenbank wird

  • Eine IPv4-Adresse wird durch einen A Resource Record zugewiesen.

  • Eine IPv6-Adresse wird durch einen AAAA Resource Record zugewiesen.

6 Meinungen im Forum Kommentar hinzufügen

Anzeige